Revision [2749]

Last edited on 2020-04-05 15:05:57 by MarcelloCastellani
Additions:
Wichtige Personen: Mariella Dimanta; [[MarxCastellani Castellani]]; Lucia, die Bäckersfrau
Sie wusste von der Amme, dass der große Kerl in den ersten Tagen nach der Geburt seines Sohnes kaum von der Seite seiner Frau gewichen war. Sie selbst hätte derartiges Verhalten bei ihrem Mann niemals gebilligt, denn schließlich gab es Angelegenheiten, die strikt Frauensache waren. Aber Marcelo Castellani, wie er häufig in dem Wohnhaus über der Mohnbäckerei genannt wurde, schien sich mit einer Aufrichtigkeit um seine Frau und das Kind zu bemühen, die erahnen ließ, dass er sie wirklich aus Liebe geheiratet hatte, und nicht nur, wie man sich unter der Hand zuraunte, um den Rängen der Heereswacht zu entkommen. Trotzdem, so wusste die Amme ihr bei einem Plausch zu berichten, als sie mit den Kindern einen Spaziergang machten, war es gut, dass die junge Dame Castellani so schnell zu Kräften gekommen war. Denn sie selbst war deutlich resoluter und kompromissloser, wenn es darum ging, unliebsamen Anstandsbesuch aus der frisch eingerichteten Wohnung hinaus zu komplementierten. Nur ihr sei es zu verdanken gewesen, dass die junge Familie endlich eine Routine fernab der Besucherströme der Großfamilie beginnen konnte. Und so nahm Señora Dimanta es mit noch mehr Wohlwollen wahr, dass der ehemalige Wächter sich endlich einmal von seiner Familie verabschiedet hatte und scheinbar anderen Dingen nachging. Schließlich billigte sie Müßiggang ohnehin nicht, und es war nur gut, wenn der junge Mann endlich mehr über Geschäfte im Allgemeinen und die Geschäfte der Familie im Besonderen, lernte. Ihrer Meinung nach war diese Art der Fürsorge für eine Familie für einen Mann deutlich angebrachter, als unbeholfen im Weg rumzustehen, wenn das Kind vor Hunger schrie oder der frischgebackenen Mutter ein Glas Wasser zu reichen.
Deletions:
Wichtige Personen: Mariella Dimanta; [[MarxCastellani Marcello Castellani]]; Lucia, die Bäckersfrau
Sie wusste von der Amme, dass der große Kerl in den ersten Tagen nach der Geburt seines Sohnes kaum von der Seite seiner Frau gewichen war. Sie selbst hätte derartiges Verhalten bei ihrem Mann niemals gebilligt, denn schließlich gab es Angelegenheiten, die strikt Frauensache waren. Aber Marcello Castellani, wie er häufig in dem Wohnhaus über der Mohnbäckerei genannt wurde, schien sich mit einer Aufrichtigkeit um seine Frau und das Kind zu bemühen, die erahnen ließ, dass er sie wirklich aus Liebe geheiratet hatte, und nicht nur, wie man sich unter der Hand zuraunte, um den Rängen der Heereswacht zu entkommen. Trotzdem, so wusste die Amme ihr bei einem Plausch zu berichten, als sie mit den Kindern einen Spaziergang machten, war es gut, dass die junge Dame Castellani so schnell zu Kräften gekommen war. Denn sie selbst war deutlich resoluter und kompromissloser, wenn es darum ging, unliebsamen Anstandsbesuch aus der frisch eingerichteten Wohnung hinaus zu komplementierten. Nur ihr sei es zu verdanken gewesen, dass die junge Familie endlich eine Routine fernab der Besucherströme der Großfamilie beginnen konnte. Und so nahm Señora Dimanta es mit noch mehr Wohlwollen wahr, dass der ehemalige Wächter sich endlich einmal von seiner Familie verabschiedet hatte und scheinbar anderen Dingen nachging. Schließlich billigte sie Müßiggang ohnehin nicht, und es war nur gut, wenn der junge Mann endlich mehr über Geschäfte im Allgemeinen und die Geschäfte der Familie im Besonderen, lernte. Ihrer Meinung nach war diese Art der Fürsorge für eine Familie für einen Mann deutlich angebrachter, als unbeholfen im Weg rumzustehen, wenn das Kind vor Hunger schrie oder der frischgebackenen Mutter ein Glas Wasser zu reichen.


Revision [2748]

Edited on 2020-04-05 13:47:00 by MarcelloCastellani
Additions:
Auch an diesem Freitagmorgen, noch kurz vor den ersten Sonnenstrahlen, ist Silvio schon wieder dabei, Balas de Cañón zu rollen. In den sehr frühen Morgenstunden, zu der Zeit, wo sich selbst die Ratten und die streunenden Katzen in Jarlow Stadt mal für einen Moment eine Verschnaufpause zu gönnen scheinen, sieht Silvio häufig den Señor Castellani heimkehren, der mit seiner kleinen Familie in einer der Wohnungen über seiner Backstube wohnt. Dieser versäumt dann nie, noch eine Tüte Balas de Cañón für seine Frau mitzubringen, und wenn sie noch nicht fertig sind, dann wartet er eben solange. Dass das Geschäft dann eigentlich noch nicht geöffnet ist, tut in diesem Fall natürlich nichts zur Sache. Er ist nicht sehr gesprächig, der Señor Castellani, aber äußerst höflich. Und Silvio ist es gewohnt, keine Fragen zu stellen. Er weiß, dass dieser Kunde eher nicht zu der Sorte gehört, mit dem man belanglose Informationen über die Nachbarn austauscht, so wie das seine liebe Gattin Lucía so gerne tut, wenn sie die Kundschaft bedient. Aber das ist Silvio auch eigentlich ganz recht so.
Deletions:
Auch an diesem Freitagmorgen, noch kurz vor den ersten Sonnenstrahlen, war Silvio schon wieder dabei, Balas de Cañón zu rollen. In den sehr frühen Morgenstunden, zu der Zeit, wo sich selbst die Ratten und die streunenden Katzen in Jarlow Stadt mal für einen Moment eine Verschnaufpause zu gönnen scheinen, sieht Silvio häufig den Señor Castellani heimkehren, der mit seiner kleinen Familie in einer der Wohnungen über seiner Backstube wohnt. Dieser versäumt dann nie, noch eine Tüte Balas de Cañón für seine Frau mitzubringen, und wenn sie noch nicht fertig sind, dann wartet er eben solange. Dass das Geschäft dann eigentlich noch nicht geöffnet ist, tut in diesem Fall natürlich nichts zur Sache. Er ist nicht sehr gesprächig, der Señor Castellani, aber äußerst höflich. Und Silvio ist es gewohnt, keine Fragen zu stellen. Er weiß, dass dieser Kunde eher nicht zu der Sorte gehört, mit dem man belanglose Informationen über die Nachbarn austauscht, so wie das seine liebe Gattin Lucía so gerne tut, wenn sie die Kundschaft bedient. Aber das ist Silvio auch eigentlich ganz recht so.


Revision [2747]

Edited on 2020-04-05 13:18:23 by MarcelloCastellani
Additions:
Wichtige Personen: **Abril**
Wichtige Personen: **Silvio Harinero** - Bäckermeister der Mohnbäckerei, Mann von Lucía, **Sofía** - ehemalige Orphanita der Leonora Castellani, nun Hausmädchen in der Casa Panificadora
Deletions:
Wichtige Personen: Abril
Wichtige Personen: Silvio Harinero - Bäckermeister der Mohnbäckerei, Mann von Lucía
Sofía - ehemalige Orphanita der Leonora Castellani, nun Hausmädchen in der Casa Panificadora


Revision [2746]

Edited on 2020-04-05 13:17:05 by MarcelloCastellani
Additions:
{{anchor target="8" text="Von Kanonenkugeln und Cremetörtchen"}}
Deletions:
{{anchor target="8" text=Von Kanonenkugeln und Cremetörtchen"}}


Revision [2745]

Edited on 2020-04-05 13:16:42 by MarcelloCastellani
Additions:
{{anchor target="8" text=Von Kanonenkugeln und Cremetörtchen"}}
Deletions:
{{anchor target="8" text="Ein Abend unter Waisen - Aus den Memoiren eines Monseñore"}}


Revision [2744]

Edited on 2020-04-05 13:15:38 by MarcelloCastellani
Additions:
{{anchor target="2" text="Aus dem Leben einer Haushälterin"}}
{{anchor target="3" text="Aus dem Leben einer Haushälterin II"}}
{{anchor target="6" text="Aus dem Leben eines Straßenjungen"}}
{{anchor target="8" text="Ein Abend unter Waisen - Aus den Memoiren eines Monseñore"}}
__Silvio Harinero__ - Bäckermeister der Mohnbäckerei, Mann von Lucía
__Sofía__ - ehemalige Orphanita der Leonora Castellani, nun Hausmädchen in der Casa Panificadora
====={{anchor name="8" h2=}}Von Kanonenkugeln und Cremetörtchen=====
Zeit: Frühjahr 220 ndGFdB
Wichtige Personen: Silvio Harinero - Bäckermeister der Mohnbäckerei, Mann von Lucía
Sofía - ehemalige Orphanita der Leonora Castellani, nun Hausmädchen in der Casa Panificadora
Wichtige Orte: Casa Panificadora
Es ist ein noch trüber, grauer Freitagmorgen, einer jener Tage im Frühjahr, da der Winter in den Nächten noch mit letzter Kraft die eisigen Klauen ausfährt, und man selbst in Jarlow beinahe in Richtung der Null-Grad-Marke rutscht, man aber mit den ersten Strahlen der morgendlichen Sonne erahnen kann, dass der Frühling Einzug erhält. Die ersten Frühblüher recken schon die frischen grünen Köpfchen durch das alte Laubwerk des vergangenen Jahres, welches noch zuhauf an den Rändern der Straßen liegt, die Vögel zwitschern deutlich vernehmbarer als noch die vergangenen Wochen und es riecht nach Gras und frischen Kräutern. Jedenfalls wenn man sich außerhalb von Jarlow-Ciudad aufhält. Innerhalb der Stadtmauern wechseln die Gerüche fast vollkommen jahreszeitenunabhängig mit der Tageszeit und dem Ortsteil, in dem man sich gerade aufhält.
Einen besonders betörenden Geruch verbreitet schon des Morgens die kleine Mohnbäckerei in der Casa Panificadora am Marktplatz. Silvio Harinero ist Bäcker aus Leidenschaft. Er lernte das Handwerk schon von seinem Vater und dieser von dem seinem. Soweit er weiß, hat seine Familie schon Brot gebacken, als Jarlow-Ciudad noch nicht mal ein kleiner Möwenschiss auf der Landkarte war. Jedenfalls behauptet er das gerne. Aber eigentlich ist das auch unerheblich - denn der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Seine Mohnbäckerei läuft ausgesprochen gut. Die Menschen nehmen morgens lange Schlangen in Kauf, um Silvios frisches Mohnbrot oder einen süßen Mohnzopf zu ergattern. Auch die Kuchen und vor allem die kleinen Gebäckteilchen seiner Gattin Lucía, die des Nachmittags frisch und duftend in der Auslage landen, erfreuen sich großer Beliebtheit.
Eins der beliebtesten Produkte in der Mohnbäckerei sind aber die „Balas de Cañón“, kleine Runde, leicht süßliche Mohnbrötchen zu zehn Stück in einer Tüte, die einzeln genau in den Mund passen und wunderbar fluffig weich auf der Zunge zergehen. (Als Dame von Welt sollte man allerdings vielleicht doch einmal abbeißen, um nicht mit unschicklich dicken Backen kauend erwischt zu werden.) Man dippt die „Kanonenkugeln“ gern in herzhafte Cremes und Weichkäse oder auch inKonfitüre, wenn man es lieber süß mag. Angehörige der Legión Naval erhalten übrigens 20% Rabatt auf die Balas de Cañón.
Auch an diesem Freitagmorgen, noch kurz vor den ersten Sonnenstrahlen, war Silvio schon wieder dabei, Balas de Cañón zu rollen. In den sehr frühen Morgenstunden, zu der Zeit, wo sich selbst die Ratten und die streunenden Katzen in Jarlow Stadt mal für einen Moment eine Verschnaufpause zu gönnen scheinen, sieht Silvio häufig den Señor Castellani heimkehren, der mit seiner kleinen Familie in einer der Wohnungen über seiner Backstube wohnt. Dieser versäumt dann nie, noch eine Tüte Balas de Cañón für seine Frau mitzubringen, und wenn sie noch nicht fertig sind, dann wartet er eben solange. Dass das Geschäft dann eigentlich noch nicht geöffnet ist, tut in diesem Fall natürlich nichts zur Sache. Er ist nicht sehr gesprächig, der Señor Castellani, aber äußerst höflich. Und Silvio ist es gewohnt, keine Fragen zu stellen. Er weiß, dass dieser Kunde eher nicht zu der Sorte gehört, mit dem man belanglose Informationen über die Nachbarn austauscht, so wie das seine liebe Gattin Lucía so gerne tut, wenn sie die Kundschaft bedient. Aber das ist Silvio auch eigentlich ganz recht so.
Auch an diesem Morgen wartet Marx „Marcelo“ Castellani schweigsam, bis Silvio die erste Fuhre Kanonenkugeln dampfend aus dem Ofen holt. Silvio fallen die schmutzigen Hände auf, die der Señor Castellani sich mit einem Stofftaschentuch zu säubern versucht, bevor er nach der Tüte greift. Auch das eine Auge wirkt ein wenig geschwollen, so als ob da am nächsten Tag ein ordentliches Veilchen prangen würde. Aber Silvio sagt nichts und wünscht dem Señor einen guten Tag. Silvio kann wegsehen.
Kurz darauf macht sich Sofía, das Hausmädchen in der Casa Panificadora, auf den Weg zum Markt. Die Sonne schickt gerade ihre ersten vorsichtigen Strahlen zur Erkundung über den Horizont. Marcelo und sie verpassen sich nur um wenige Augenblicke. Silvio sieht sie zügigen Schrittes und mit einem großen Korb am Arm an seinem Auslagenfenster vorbeieilen, nicht, ohne ihrem Nachbarn noch kurz zuzunicken.
Am Markt angekommen, schickt sie sich zu einer kleinen Einkaufsrunde an, denn es haben sich spontan Gäste für den Nachmittag bei Leanna Castellani angekündigt. Sie handelt hier den Käsehändler ein wenig runter, ersteht dort eine große Korbladung an Obst und wirft dem nächsten Händler unverhältnismäßige Preiserhöhungen vor.
„Señorita, was soll ich machen?“ Er breitet in einer typischen Geste jarlower Hilflosigkeit die Arme aus. „Die Olivenernte war dieses Jahr ausgesprochen knapp!“
Zähneknirschend zahlt Sofía den verlangten Betrag - aber wählt nur die kleinsten und schartigsten Kupfermünzen aus - denn was wäre ein anständiger jarlower Haushalt ohne Oliven?
Auf dem Rückweg stellt sie sich ans Ende der Schlange vor der Mohnbäckerei, die inzwischen geöffnet hat, um einen Mohnzopf für die Herrschaften zum Frühstück zu erstehen. Während sie wartet, hört sie die anderen Kunden in der Schlange tuscheln.
„… ich habe mich wirklich darauf gefreut. Wann hat es das letzte Mal eine solch große Hochzeit gegeben? Das hätte meine Umsätze mit Sicherheit in die Höhe getrieben, bei den vielen Gästen, die erwartet wurden ...“
„Claro que sí, aber überleg doch mal … es waren 13 schwarze Raben, die auf die Statue der Herzogin Odalgar geschissen haben! Der Nachbar von Eugenias Cousin zweiten Grades hat sie gezählt! Und die Rathausuhr, die vor zwei Wochen plötzlich von alleine wieder angefangen hat zu schlagen … nachdem sie bald ein halbes Jahr stillstand, weil Javier beim Putzen sein Lappen ins Uhrwerk gefallen war und er ihn nicht mehr rausbekommen hat? Und sie sich nicht einigen konnten, wer die Reparatur bezahlen muss?“
„Vergiss nicht die Krabbenplage bei Mala Suerte. Antonias Mann hat sich den Oberschenkelhals gebrochen, als er auf einem dieser Mistviecher ausgerutscht ist …“
„Stimmt. Señor Castellani hat richtig entschieden, die Hochzeit zu verschieben. Unter solchen Vorzeichen sollte lieber kein Jawort gegeben werden!“
„Darf es außerdem noch etwas sein?“ unterbricht Silvio das belauschte Gespräch und reicht Sofía den eingepackten Mohnzopf. Sie fängt sich schnell.
„Sí. Für heute Nachmittag möchte ich gerne eine Platte von Lucias Gebäckvariation. Wir erwarten Gäste. Ich komme die Platte zur dritten Stunde abholen. Oh, und leg noch eine Tüte Balas de Cañon dazu, por favor.“
Eifrig notiert Silvio die Bestellung. „Sehr wohl, Señorita. Hasta luego!“
Als es nachmittags an der Tür läutet, eilt Sofía hin um sie zu öffnen. Schon bevor sie die Tür aufzieht, hört sie durch das dicke Holz ein ihr gut bekanntes Lachen; ihr Rücken richtet sich auf und die Schultern gehen unwillkürlich ein Stück zurück. Josephina Castellani steht vor ihr, und sie scheint Eva gerade im Hausflur getroffen zu haben.
„Buenas Días,“ begrüßt Sofía die beiden schüchtern.
„Holá, Sofía. Wie geht es dir?“
Sofías Augen weiten sich. Dass sich Josephina Castellani an ihren Namen erinnert, bedeutet ihr viel, ist sie ihr doch in gewisser Weise eine Art Vorbild. Oder zumindest bewundert sie sie zutiefst. Josephina war es, die sie aus dem Orphinario bei Señora Leonora Castellani auslöste, um ihr diese Anstellung als Hausmädchen zu besorgen.
„Sehr gut, gracias.“
Sie führt die beiden in das geschmackvoll eingerichtete Esszimmer. Freundliche, helle Pastellfarben finden sich in den Wänden, den Möbeln und vielen kleinen Details wieder. Die bodenlangen Fenster zum Balkon sind nur angelehnt, sodass sich die bunt gemusterten Vorhänge in der Frühlingsbrise aufblähen. Vogelgezwitscher klingt von den Efeuranken, die das gesamte Haus und die Balkone umwachsen, hinein - die Casa Panificadora ist ein beliebter Unterschlupf und Nistplatz für allerlei Vögel. Frische Schnittblumen stehen auf dem Esstisch, auf dem sich außerdem noch eine ganze Reihe an kleinen Köstlichkeiten auf bunten Tellerchen und einer kleinen silbernen Etagere stapeln: kleine Gebäckstücke, Pralinen, Cremetörtchen, Windbeutel - die schönste Auswahl, die Lucía zu bieten hat -, Käse, Oliven und allerhand Obst, und natürlich dürfen die Balas de Cañón nicht fehlen. Eine Schale mit Sahne und verschiedene Konfitüren runden das Bild ab.
Die drei setzen sich und das Geschnatter beginnt. Sofía beobachtet die Señorita Castellani aus den Augenwinkeln, während sie in der Küche eine weitere Kanne Tee aufbrüht. Josephina gibt einen guten Schuss aus einer kleinen, fein verzierten silbernen Flasche in ihren Tee und rührt um. Dann nimmt sie sich eine Kanonenkugel, dippt sie in eine kleine Schale mit Himbeerkonfitüre und führt sie zum Mund. Sie öffnet ihn, und gerade, als Sofía schon denkt, sie würde sich das Mohnbällchen ganz undamenhaft in einem Stück in den Mund schieben, dreht sie den Kopf und sieht sie mit strengem Blick an.
„Willst du den ganzen Tag nur starren oder gießt du bald das Teewasser auf?“ fragt sie Sofía, die hastig den Blick senkt und sich vor Hektik fast die Finger verbrüht hätte.
„Sí, Señorita.“
Doch in Josephinas Augen glitzert es spöttisch. „Mach danach mal eine kleine Pause und geh ein bisschen spazieren, das Wetter ist ganz wundervoll heute.“
„Sí, Señorita.“
Und so stellt sie die Teekanne auf den Tisch, verabschiedet sich mit einem höflichen kleinen Knicks von der Damenrunde und verlässt die Wohnung. Noch als sie die Tür hinter sich zuzieht, brandet das Gespräch im Wohnzimmer erneut auf.
„Nun erzähl schon, Leanna! Was ist der wahre Grund für die Verschiebung der Hochzeit?“ lässt sich Josephinas Stimme noch vernehmen, bevor die Tür ins Schloss fällt.
Deletions:
{{anchor target="2" text=" Aus dem Leben einer Haushälterin"}}
{{anchor target="3" text=" Aus dem Leben einer Haushälterin II"}}
{{anchor target="6" text=" Aus dem Leben eines Straßenjungen"}}


Revision [2743]

Edited on 2020-03-19 18:32:11 by JoaquimValdez
Additions:
Als Manuel mit seiner Geschichte fortfahren wollte, trat ein kleiner Mann mit großem Hut an den Tisch heran und flüsterte ihm undeutlich etwas ins Ohr. Manuel nickte entschlossen und überreichte ihm eine Handvoll Münzen.
Deletions:
Als Manuel mit seiner Geschichte fortfahren wollte, trat ein kleiner Mann mit großem Hut an den Tisch heran und flüsterte ihm undeutlich etwas ins Ohr. Manuel nickte entschlossen und überreichte
ihm eine Handvoll Münzen.


Revision [2742]

Edited on 2020-03-19 18:28:48 by JoaquimValdez
Additions:
Offenbar konnte ich meine Padrina immer wieder durch meine Taten und meine Entwicklung beeindrucken und so lud mich Leonora Castellani am Fiesta de los Muertos auf ihren Landsitz ein. Ich musste allerdings feststellen, dass neben mir noch einige weitere Jungen und Mädchen in meinem Alter geladen waren und jeder von ihnen um Leonoras Gunst buhlte. Die Schleimerei war noch niemals meine Kunst und deswegen hielt ich mich im Verlauf des Tages etwas im Hintergrund, bis Frau Castellani auf mich zuging und mir einen kleinen Samtbeutel überreichte. Ich nahm diesen etwas zögerlich an und entfernte das Lederband, welches den Inhalt vor mir verbarg. Ich schob meine Hand hinein und meine Finger ertasteten eine rasiermessersscharfe Klinge, an der ich mich sogleich heftig schnitt. Erschrocken riss ich die Hand zurück aus dem Beutel und Blut tropfte mir von meinen Fingern auf den wertvollen Eichenholzboden. Señora Castellani streichelte mir etwas grob über meinen Kopf und sagte „Söhnchen, sorg mir dafür, dass dies das einzige Mal sein wird, an dem dein Blut an dieser Klinge klebt“. Sie sollte recht behalten.“
Deletions:
Offenbar konnte ich meine Padrina immer wieder durch meine Taten und meine Entwicklung beeindrucken und so lud mich Leonora Castellani am Fiesta de los Muertos auf ihren Landsitz ein. Ich musste allerdings feststellen, dass neben mir noch einige weitere Jungen und Mädchen in meinem Alter geladen waren und jeder von ihnen um Leonoras Gunst buhlte. Die Schleimerei war noch niemals meine Kunst und deswegen hielt ich mich im Verlauf des Tages etwas im Hintergrund, bis Frau Castellani auf mich zuging und mir einen kleinen Samtbeutel überreichte. Ich nahm diesen etwas zögerlich an und entfernte das Lederband, welches den Inhalt vor mir verbarg. Ich schob meine Hand hinein und meine Finger ertasteten eine rasiermessersscharfe Klinge, an der ich mich sogleich heftig schnitt. Erschrocken riss ich die Hand zurück aus dem Beutel und Blut tropfte mir von meinen Fingern auf den wertvollen Eichenholzboden. Señora Castellani streichelte mir etwas grob über meinen Kopf und sagte „Söhnchen, sorg mir dafür, dass dies das einzige Mal sein wird, an dem dein Blut an dieser Klinge klebt“. Er sollte recht behalten.“


Revision [2741]

Edited on 2020-03-19 18:27:47 by JoaquimValdez
Additions:
Offenbar konnte ich meine Padrina immer wieder durch meine Taten und meine Entwicklung beeindrucken und so lud mich Leonora Castellani am Fiesta de los Muertos auf ihren Landsitz ein. Ich musste allerdings feststellen, dass neben mir noch einige weitere Jungen und Mädchen in meinem Alter geladen waren und jeder von ihnen um Leonoras Gunst buhlte. Die Schleimerei war noch niemals meine Kunst und deswegen hielt ich mich im Verlauf des Tages etwas im Hintergrund, bis Frau Castellani auf mich zuging und mir einen kleinen Samtbeutel überreichte. Ich nahm diesen etwas zögerlich an und entfernte das Lederband, welches den Inhalt vor mir verbarg. Ich schob meine Hand hinein und meine Finger ertasteten eine rasiermessersscharfe Klinge, an der ich mich sogleich heftig schnitt. Erschrocken riss ich die Hand zurück aus dem Beutel und Blut tropfte mir von meinen Fingern auf den wertvollen Eichenholzboden. Señora Castellani streichelte mir etwas grob über meinen Kopf und sagte „Söhnchen, sorg mir dafür, dass dies das einzige Mal sein wird, an dem dein Blut an dieser Klinge klebt“. Er sollte recht behalten.“
Deletions:
Offenbar konnte ich meine Padrina immer wieder durch meine Taten und meine Entwicklung beeindrucken und so lud mich Leonora Castellani am Fiesta de los Muertos auf ihren Landsitz ein. Ich musste allerdings feststellen, dass neben mir noch einige weitere Jungen und Mädchen in meinem Alter geladen waren und jeder von ihnen um Leonoras Gunst buhlte. Die Schleimerei war noch niemals meine Kunst und deswegen hielt ich mich im Verlauf des Tages etwas im Hintergrund, bis Frau Castellani auf mich zuging und mir einen kleinen Samtbeutel überreichte. Ich nahm diesen etwas zögerlich an und entfernte das Lederband, welches den Inhalt vor mir verbarg. Ich schob meine Hand hinein und meine Finger ertasteten eine rasiermessersscharfe Klinge, an der ich mich sogleich heftig schnitt. Erschrocken riss ich die Hand zurück aus dem Beutel und Blut tropfte mir von meiner Hand auf den wertvollen Eichenholzboden. Señora Castellani streichelte mir etwas grob über meinen Kopf und sagte „Söhnchen, sorg mir dafür, dass dies das einzige Mal sein wird, an dem dein Blut an dieser Klinge klebt“. Er sollte recht behalten.“


Revision [2740]

Edited on 2020-03-19 18:15:16 by JoaquimValdez

No differences.

Revision [2739]

Edited on 2020-03-19 18:13:00 by JoaquimValdez
Additions:
====={{anchor name="7" h2=}}Ein Abend unter Waisen - Aus den Memoiren eines Monseñore=====
Deletions:
====={{anchor name="7" h2=}}Ein Abend unter Waisen=====


Revision [2738]

Edited on 2020-03-19 18:12:15 by JoaquimValdez
Deletions:
==== Aus den Memoiren eines Monseñore====


Revision [2737]

Edited on 2020-03-19 18:09:36 by JoaquimValdez
Additions:
====={{anchor name="7" h2=}}Ein Abend unter Waisen=====
Deletions:
====={{anchor name="2" h2=}}Ein Abend unter Waisen=====


Revision [2736]

Edited on 2020-03-19 18:06:37 by JoaquimValdez
Additions:
====={{anchor name="2" h2=}}Ein Abend unter Waisen=====
Deletions:
====={{anchor name="2" h2=}}Ein Abend unter Waisen====


Revision [2735]

Edited on 2020-03-19 18:05:01 by JoaquimValdez
Additions:
{{anchor target="7" text="Ein Abend unter Waisen - Aus den Memoiren eines Monseñore"}}
__Manuel und Miguel__ - Zwei Orphanitos der Padrina Leonora Castellanis aus Empinar El Codo
====={{anchor name="2" h2=}}Ein Abend unter Waisen====
==== Aus den Memoiren eines Monseñore====
Es war schon spät am Abend, als Manuel und Miguel sich in einer Taverna im Hafenviertel trafen. Die Straßenlaternen waren schon entzündet worden und die ersten Señoritas platzierten sich in ihren übertrieben bunten Kleidern nebst ebensolchen. Dabei verströmten sie einen aufdringlichen, aber zugleich auch betörenden Duftcocktail verschiedener altbackener Parfüms, welche man aufgrund der preislichen Erschwinglichkeit nun in verschwenderischer Manier von den Stiefeln bis zum Faszinator aufgesprüht hatte. Das Ergebnis, die ungeliebte Konkurrenz an der benachbarten Laterne dabei möglichst mit der eigenen Wolke zu überdecken, war hierbei bestimmt kein Zufall. Auch fiel einem versierten Kenner dieser Szene sofort auf, dass das Alter und die Menge des aufgetragenen Duftwassers direkt zusammenzuhängen schienen. Manuel und Miguel war dies einerlei, denn die mondänen Damen direkt am Hafen entsprachen nicht ihrer Gehaltsstufe. Wenn es die beiden jeweils nach einer lasterhaften Nacht sehnte, so begaben sie sich eher in eins der günstigen Casas, wo man bei der Dama de la Casa auch noch anschreiben konnte, wenn das Kupfer mal gerade wieder einen Bogen um Einen zu machen schien.
Manuel saß bereits an einem kleinen Tisch im hinteren Bereich der Taverna und winkte Miguel zu sich heran, ohne zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Immerhin waren sie Orphanitos der Familie Castellani und als solche gleichermaßen von Vielen sowohl gefürchtet als auch gehasst.
Miguel nickte nur spröde, ließ sich auf den Hocker fallen und murmelte: „Ich sehe, du trägst immer noch dieselben Lumpen wie vor einem Jahr. Warst du dir nicht vollkommen sicher, dass sich nach dem nächsten Auftrag alles zum Besseren wenden würde?“
Manuel grinste nur halb interessiert zurück und spottete: “Wenigstens kokettiere ich nicht ständig damit, jedes Halbkupfer gleich meiner gierigen Frau ins Dekolleté werfen zu müssen.“
„Wir kennen uns nun schon seit wir für Leonora arbeiten, Manuel.“ stellte Miguel etwas wehmütig fest. „Warum haben wir uns nie von unseren Leben davor berichtet?“
„Weil es traurig und armselig war und es unsereins nur durch die Gnade des guten Herrn Castellani aus dem Orphanario geschafft hat. Wir wären uns sonst wohl oder übel erst bei der Legión begegnet und wahrscheinlich als verwahrloste Vollwaisen gemeinsam direkt in die Sümpfe zur Wildenjagd geschickt worden.“ erwiderte Manuel sofort.
„Das weiß ich auch. Oder wir wären einfach auf der Straße gelandet wie die Meisten von uns. Ganz egal, denn vermutlich würden wir beide schon lange unterm Tisch der Ahnen sitzen und uns mit den Hunden um die Brocken, die sie uns von oben zuwerfen, streiten“, lachte Miguel.
„Im Grunde auch nicht anders als das Leben, welches wir nun führen“ ergänzte er rasch, den humorvollen Unterton verbannte er dabei schlagartig aus seiner Stimme.„
„Bevor du nun in unerträglichem Selbstmitleid versinkst, mein alter Freund, erzähle ich dir von meinem jungen Leben als Waise in Empinar el Codo. Vielleicht ist es hilfreich, die alten Narben nach so langer Zeit wieder etwas zu pflegen.“ Manuel wurde noch ernster und als Miguel ihm bestätigend zunickte, ergriff er wieder das Wort. „Ohne es genau zu wissen und eigentlich gebe ich einen Scheiß drauf, gehe ich davon aus, dass meine Mutter jung verwitwet war und mich mangels Einkünften ins Orphanario abschob, nicht zuletzt auch weil sich leichter ein neuer Mann finden lässt, wenn man keinen Bengel versorgen muss.“
„Woher willst du das so genau wissen, Manuel?“
„Der Monseñore im Orphanario erwähnte mir gegenüber, dass es meiner Mutter nun besser denn je ginge und sie sich einen reichen Kaufmann geangelt habe. Ich nehme an, dies war seine Art mich zu motivieren, mich mehr anzustrengen.“ Manuel hielt kurz inne und kratze sich unter seinem filzigen Krempenhut. „Hat ja schließlich gut geklappt! Seitdem ich wusste, dass mein Leben absolut bedeutungslos ist und nicht mal meine Mutter sich einen Dreck um mich schert, lernte ich eine Seite an mir kennen, die auch du schon oft erleben konntest.“
„Ich weiß sehr wohl, was du meinst. Du erleichterst sogar den ärmsten Pechvogel um seinen letzten Kanten Brot, wenn die Herrin ihren Kredit zurückhaben will. Manchmal denke ich, dass dein Herz so verschlossen ist wie Tyros Geldbörse gegenüber einem Barden.“ stellte Miguel fest.
„Nun, du bist auch nicht gerade eine Dona Consuela! Aber du hast natürlich Recht. Mitgefühl und Freundlichkeit helfen einem nun erst recht nicht weiter, wenn man als einer von zwei dutzend rotzfrechen Waisenjungen die Aufmerksamkeit des Monseñore erhaschen will. So machte ich mir mit nur sieben Jahren einen Ruf, der darauf hindeutete, dass ich mich stets durchzusetzen wisse und auch vor einem wohlplatzierten Tritt oder Schlag nicht zurückschrecke. Aber auch nach mehreren offiziellen Tadeln würdigte der Monseñore mich keines besonderen Blickes. Sein Augenmerk galt hauptsächlich dem etwas älteren Mitwaisen Luca, welcher mehrfach für die Beschaffung von für Kinder ungeeigneter Ware getadelt wurde. Luca glänzte besonders durch seine Vitalität und seine Schläue. Besonders groß oder kräftig war er hingegen nicht, konnte dies aber durch bildgewaltige Drohungen ausgleichen. Eines Tages bot ich dem Jungen Luca an, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Er sollte weiterhin seine Geschäfte erledigen und ich würde ihm dabei den Rücken freihalten. Der kleine Nichtsnutz verlachte mich jedoch und ging sogleich zum Monseñore und dichtete mir allerlei Schändlichkeiten an. In der darauffolgenden Nacht begab ich mich in die Kammer des Monseñore und entwendete diesem einen wertvollen Reliquienring, den der alte Zausel unachtsamerweise nicht weggeschlossen hatte. Ich wickelte den Ring in ein Leinentuch und versteckte ihn unter Lucas Matratze. Als dem Monseñore der Diebstahl am nächsten Morgen auffiel und alle Bewohner des Orphanarios sich in einer Reihe aufstellen mussten, schlug ich laut vor, dass man doch einfach alle Schlafstätten durchsuchen solle und den Ring dann schon wiederfinden werde. Leider bemerkte ich sofort, dass ich unmöglich wissen konnte, dass es sich um einen Ring handelt, da der Monseñore nur von einem wichtigen Gegenstand sprach. Komischerweise wurde das Spiel weitergespielt und es kam wie es kommen musste: Der Ring kam zu seinem Besitzer zurück und Luca wurde zur Strafe drei Tage am Tor des Orphanarios angebunden und danach an die Legión Extranjera übergeben. Sollten sie den kleinen Mistkerl doch zu einem guten Soldaten machen. Wenige Tage darauf bekam ich vom Monseñore einen aufwendig versiegelten Brief zugesteckt, auf dem mein Name stand. Es war der erste Brief, den ich je erhielt, aber es sollte nicht der letzte sein. Der Monseñore erklärte mir, es sei kein Zufall, nun diese Aufmerksamkeit zu erhalten und er wisse sehr wohl, was ich riskiert habe. Er schätze es sehr, wenn Worten auch Taten folgen. Ich vermute, dass er meine Intrige um Luca und den vermeintlich gestohlenen Ring sofort durchschaute. Aber er schien die dargebotene Hartnäckigkeit und den Ideenreichtum eines gerade einmal Siebenjährigen zu bewundern.
Als ich den Brief öffnete, staunte ich nicht schlecht, denn es fielen laut klirrend ein paar Kupferstücke heraus. Auf dem wertvollen Papier stand nicht viel, nur in etwa „Für den hoffnungsvollsten Kandidaten. Er möge sich stets bemühen.“ Signiert war mit Padrina L. Castellani.“
„Wusstest du sofort, dass Leonora Castellani dich als eine ihrer zukünftigen Orphanitos ausgewählt hatte?“ fragte Miguel.
„Es dauerte einige Zeit bis ich mein Glück begriff, aber es kamen weitere Briefe von Señora Castellani. Ich begann daraufhin, auf diese Briefe zu antworten und so erzählte ich ihr davon, dass ich nun drei Waisen unter meiner Kandare hatte und diese mir bei den kleineren Geschäften, die sich tagtäglich ergaben, behilflich seien. Eines Tages schickte ich meiner großzügigen Padrina sogar eine selbstgebaute kleine Holzschatulle mit aufwendigen Verzierungen, in welche ich ein Bündel des besten Tees des Viertels legte. Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie schwierig es gewesen ist, diesen Tee zu bekommen!
Offenbar konnte ich meine Padrina immer wieder durch meine Taten und meine Entwicklung beeindrucken und so lud mich Leonora Castellani am Fiesta de los Muertos auf ihren Landsitz ein. Ich musste allerdings feststellen, dass neben mir noch einige weitere Jungen und Mädchen in meinem Alter geladen waren und jeder von ihnen um Leonoras Gunst buhlte. Die Schleimerei war noch niemals meine Kunst und deswegen hielt ich mich im Verlauf des Tages etwas im Hintergrund, bis Frau Castellani auf mich zuging und mir einen kleinen Samtbeutel überreichte. Ich nahm diesen etwas zögerlich an und entfernte das Lederband, welches den Inhalt vor mir verbarg. Ich schob meine Hand hinein und meine Finger ertasteten eine rasiermessersscharfe Klinge, an der ich mich sogleich heftig schnitt. Erschrocken riss ich die Hand zurück aus dem Beutel und Blut tropfte mir von meiner Hand auf den wertvollen Eichenholzboden. Señora Castellani streichelte mir etwas grob über meinen Kopf und sagte „Söhnchen, sorg mir dafür, dass dies das einzige Mal sein wird, an dem dein Blut an dieser Klinge klebt“. Er sollte recht behalten.“
Miguel hakt ganz aufgeregt nach: „Ist dies der Dolch, den du stets bei dir trägst?“
„Nein, natürlich nicht!“ entgegnete Manuel etwas erbost. „Mach deine Augen auf, Cabrón! Der Dolch war ein billiges Exemplar aus Mitraspera. Hab den verscherbelt, als ich meine Zeche im Casa Violetta nicht zahlen konnte. Bekam dafür aber nur ein paar Silber. Ich schätze, um einen dummen Jungen zu begeistern, reichte er dennoch aus.“
Manuel seufzte laut auf und griff zu seinem Kelch, aus dem er einen gütlichen Schluck Cerveza nahm.
„An diesem Tag wurde mir bewusst, dass ich künftig nur für diese eine Frau leben und arbeiten werde. Die Loyalität eines jungen Burschen kann überwältigend sein, ganz besonders wenn man stets auf der Suche nach einer mütterlichen Figur oder einem Vorbild ist.“
„Es kann nur ein Jahr später gewesen sein, als ich ebenso wie du zu Frau Castellani eingeladen wurde.“ merkte Miguel an.
„Ich erinnere mich sogar an deinen ersten Auftritt in meinem Leben. Ich war dem Monseñore erst kürzlich für eine stattliche Summe, eine Art Schutzgebühr, abgekauft und zur Ausbildung direkt an den Hof Leonoras gebracht worden. Dort kümmerten sich einige grobschlächtige Männer aus deren Entourage um mein Wohl. Man verstand Schläge allerdings als Komplimente und Beleidigungen als Belohnung für meine Taten. Frau Castellani sah ich monatelang nicht. Aber an dem Tag, als sie dich zu sich gebeten hatte, wurde mir der Umgang mit Pferden vermittelt. Ich sah dich, wie du aus dem Haus auf den kleinen Vorplatz tratest und voller Stolz deinen ersten Dolch in der Hand hieltest.“
„Welchen ich im Gegensatz zu dir nicht für eine Reitstunde verschachert habe und als Erbe für meinen Sohn hinterlassen werde.“ tadelt Miguel seinen Freund Manuel, welcher schnaubend kontert: „Na, dann soll er aufpassen, dass er sein ganzes Erbe nicht für weniger als eine Reitstunde eintauscht oder schlimmer noch, wirklich jemanden mit diesem mitrasperanischen Kinderspielzeug die Kehle aufschneiden will.“
Lachend unterbrachen die beiden alten Freunde ihre Unterhaltung und orderten eine weitere Runde Cerveza und ein paar kräftig marinierte Hähnchenflügel nach Art der Bauern mit viel Knoblauch und Meersalz. So saßen sie sich einige Augenblicke schweigend gegenüber, die Stille und das kühle Bier genießend, wissend, dass sie sich beide aufgrund ihrer Herkunft und Verpflichtung gegenüber Leonora Castellani so nah sind wie man sich als Männer nur sein kann. Man konnte vieles über die Orphanitos der Familie Castellani sagen. Sie würden die Aufträge erledigen, für die sich selbst die untersten Günstlinge der Familie zu schade wären. Sie würden keinen Anstand besitzen, da ihnen jegliche Kinderstube fehle. Sie würden es nie zu Wohlstand und Anerkennung bringen, da sie mit wenigen Kupfern bereits zufrieden seien. Aber neben all diesen Anschuldigungen, über die das gemeine Volk sich gerne die Mäuler zerreißt, gibt es auch zwei unumstößliche Wahrheiten:
Zuerst gibt es unter den Orphanitos eines Padrino oder einer Padrina in der Regel kein Konkurrenzdenken, da sie sich als Gleiche unter Gleichen sehen. Die Vergangenheit verbindet eben jene, welche von Geburt an von den Ahnen meist nicht gesehen werden können.
Der wichtigste Umstand ist aber die Möglichkeit, sich aus dem Sumpf der Bedeutungslosigkeit emporzuheben, indem die Familie Castellani den Orphanitos ihre Gunst und ihr Vertrauen zukommen lässt.
Wenige Orphanitos wurden in der langen Geschichte Jarlows jemals echte Adoptivkinder der Familie, wenige kamen zu Geld und Unabhängigkeit. Jedoch begegnet man ihnen meist auch mit einer Mischung aus Furcht und Respekt, denn der Grund für ihren Besuch ist selten ein angenehmer.
Als Manuel mit seiner Geschichte fortfahren wollte, trat ein kleiner Mann mit großem Hut an den Tisch heran und flüsterte ihm undeutlich etwas ins Ohr. Manuel nickte entschlossen und überreichte
ihm eine Handvoll Münzen.
„Ich denke, wir sollten unsere Hühnerflügel schnell abnagen und unser Cerveza hinunterstürzen. Soeben erfuhr ich, dass Álvaro ein paar Straßen weiter bei seiner Geliebten gesehen wurde. Dem Pendejo werden wir heute Nacht noch einen spontanen Besuch abstatten und Leonoras Silberlinge zurückholen. Oder Álvaros Finger oder die seiner Geliebten. Don Vito möge mich verdreschen, wenn der Kerl morgen noch mit lauter Kehle „Bretonische Mädchen“ singen kann.“
Ein letztes Mal stießen Manuel und Miguel an diesem Abend mit ihren Krügen an, zahlten daraufhin die Zeche beim vollbusigen Schankwirt und verschwanden hinter der nächsten Straßenecke in der Nacht.


Revision [2733]

Edited on 2020-02-25 10:28:48 by MarcelloCastellani
Deletions:


Revision [2732]

Edited on 2020-02-25 10:28:15 by MarcelloCastellani
Additions:
Wichtige Orte: Werft in Jarlow Ciudad, Herzogin Odalgar Platz (Marktplatz), Casa Panificadora
Wichtige Orte: Armenviertel, Marktplatz, Hafenviertel
Deletions:
Wichtige Orte: Werft in Jarlow Ciudad
Herzogin Odalgar Platz (Marktplatz)
Casa Panificadora
Wichtige Orte: Armenviertel
Marktplatz
Hafenviertel


Revision [2731]

Edited on 2020-02-25 10:27:16 by MarcelloCastellani
Additions:
Zeit: Herbst 217 ndGFdB
Zeit: 219 ndGFdB
Zeit: später Herbst 219 ndGFdB
Zeit: Herbst 219 ndGFdB
Wichtige Personen: Fabrizio Tabera, [[CapitanRastrojo Capitan Rastrojo]], Ernesto, Gonzalo
Zeit: Frühjahr 219 ndGFdB
Wichtige Orte: Armenviertel
Deletions:
Zeit: Herbst 217 ndGFdB
Zeit: 219 ndGFdB
Zeit: später Herbst 219 ndGFdB
Zeit: Herbst 219 ndGFdB
Wichtige Personen: Fabrizio Tabera
[[CapitanRastrojo Capitan Rastrojo]]
Ernesto
Gonzalo
Zeit: Frühjahr 219 ndGFdB
Wichtige Orte: Armenviertel


Revision [2730]

Edited on 2020-02-25 10:24:37 by MarcelloCastellani
Additions:
Zeit: später Herbst 219 ndGFdB
Zeit: Herbst 219 ndGFdB
[[CapitanRastrojo Capitan Rastrojo]]
Ernesto
Gonzalo
Herzogin Odalgar Platz (Marktplatz)
Casa Panificadora

Zeit: Frühjahr 219 ndGFdB
Marktplatz
Hafenviertel
Deletions:
Zeit: später Herbst 219 ndGFdB
Zeit: Herbst 219 ndGFdB
[[CapitanRastrojo Capitan Rastrojo]]
Ernesto
Gonzalo
Herzogin Odalgar Platz (Marktplatz)
Casa Panificadora
Zeit: Frühjahr 219 ndGFdB
Marktplatz
Hafenviertel


Revision [2729]

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